Buslinie 100

Es gibt Momente im Leben da glaubt man eine gute Idee zu haben und muss selbige nur 10 Sekunden später schon wieder bereuen. In meinem Fall zum Beispiel war es die Idee am letzten Samstag in den Bus der Linie 100 einzusteigen nur um die wirklich kurze Strecke zwischen Alexanderplatz und Friedrichstrasse nicht laufen zu müssen. Normalerweise ist das ja eine Strecke die selbst wir kurzstreckengewöhnten Berliner laufen (alle lebenswichtigen Dinge sind im Normalfall auch schnell schnell zu erreichen (also Bäcker, Zigaretten- und Kondomautomat)), aber an diesem Wochenende war das Wetter wirklich sowas von mies, das ich den halbwegs trockenen und kurzen Weg zur Haltestelle vorgezogen hab. Ich Dummie freu mich auch noch das ich dann als Erster in den Bus einsteigen darf und einen Sitzplatz ergattere. Hm, ich muss wohl die schätzungsweise 200 Touristen übersehen haben die nach mir noch einsteigen wollten. Für alle Nichtberliner muss man natürlich erklären das es sich bei der Linie 100 umd die Tourilinie schlechthin handelt. Der Bus fährt wirklich an jedem Ort und Platz vorbei welcher im “Marcopolo” zu finden ist und wird deshalb auch gerne von unseren Verkehrsbetrieben als “Sightseeingtour zum Normaltarif” beworben. Für Einheimische ist der Bus also eigentlich tabu. Denn wie sich auch an diesem Tag herausstellen sollte hatten etwa 198 der 200 Zusteigewilligen keinen Fahrausweis und mussten selbigen an Ort und Stelle beim Busfahrer erwerben. Hinzukommt das circa 196 der 198 Fahrausweiskaufwilligen in diesem Moment das erste Mal mit dem heimischen Tarifsystemin in Berührung kamen und brav unterrichtet werden mussten wieviel sie zu zahlen haben. Ungefähr 50 Touristen mussten einsehehn dass sie das nicht mit der VISA-Card können! Ich weiss nicht wie aber irgendwie haben wir es tatsächlich geschafft alle Menschen in unter einer viertel Stunde in den Bus zu bekommen. Meine Laune war zu diesem Zeitpunkt übrigens trotzdem schon auf dem Nullpunkt. Wieso musste ich mich auch ausgerechnet an diesem regnerischen Tag auf den Weg machen um einen H&M-Gutschein einzulösen der eh schon ein halbes Jahr rumlag, es also gut auch noch ein zwei Tage länger bei mir ausgehalten hätte. Das Haltestellenschauspiel vollzog sich dann auf meiner Reise zur Friedrichstrasse (wie gesagt Laufweg etwa 7 Minuten) noch so um die 6 Mal, wobei immer um die 50 Personen einstiegen und keine austieg; keine Ahnung wie das technisch möglich sein soll, war aber mein subjektiver Eindruck, basta. Was lernt nun der geneigte Leser aus dieser Geschichte? Keine Ahnung! Auf jeden Fall bin ich um die Erfahrung reicher, dass man auch als Einheimischer nach 25 Jahren in dieser von mir so abgöttisch geliebten Stadt (ja die Provinz ist auch schön! :) ) immernoch auf die übelste “Touristenverarschungsnummer” (frei nach Kurt Krömer) namens Buslinie 100 reinfallen kann. Um die Geschichte abzuschliessen: Ich bin natürlich heil angekommen, und ich wäre schneller gewesen, wäre ich gelaufen. Das nächste Mal kaufe ich mir für 4€ nen Regenschirm bei Rossmann und werde das auch tun.

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