
Huh, verdammt kalt hier in Grindelwald. Gefühlte – 15°C. Da wir gestern ein paar Stunden Freizeit hatten haben wir uns dazu entschlossen mal die nähere Bergwelt zu erkunden. In 2500 Metern Höhe angekommen haben wir uns dann drei Schlitten ausgeliehen um einen Schlittlweg bis zur Talstation hinunterzudüsen. Diese verdammten Schweizer mit ihrem “Verniedlichungsdialekt”. Schlittlweg? Was eigentlich eine gemütliche Abfahrt suggeriert entpuppte sich nach 5 Minuten als Ritt durch die Schneehölle.
Nachdem ich geschätzte 4 Liter Schnee gegessen hatte, nur knapp 2 Frontalcrashs mit Snowboardern entgangen war und mehrere Male mit dem Schlitten im orangenen Fangzaun hing hab ich den Rückzug angetreten und bin die Abfahrt wieder hochgelaufen. Reinhold Messner lässt grüßen. Mein linkes Knie ist rot-blau und dick und mein Bedarf an Wintersport fürs Erste gedeckt!
Nachdem ich am Vortag schon im Fahrstuhl stecken geblieben war bin ich sehr gespannt welche Überraschungen unser Schweizaufenthalt noch für mich bereit hält.
Schnee-Inferno. Schlittl-Hölle. Alptraum in Weiß.
Ich war dabei. Und ich muss sagen: Es war noch schlimmer!
Die Schweizer scheinen zu denken: Och, ärgern wir mal die Touris und zeigen ihnen mal, was eine ordentliche Piste ist!
Hinter einer scheinbar harmlosen Kurve lauert eine 45-Grad-Abfahrt mit 0-Chance auf Bremsen.
Kaum hat man in rasender Geschwindigkeit die Füße zum Bremsen in den Pulverschnee gesetzt, wird man von Schneemaßen zugeweht und kann nichts mehr sehen.
Eigentlich wollte ich mit der Schlittenfahrt meiner Tochter einen Gefallen tun – es war wahrscheinlich ihr größter Schnee-Alptraum. 3x musste ich die Kleine, die wie ein Schlosshund geheult hat, trösten…
Ein ordentliches blaues Fleck wird mich noch ein paar Tage an den Ausflug erinnern.
Das nenne ich doch mal Erfahrungsberichte, die so richtig die Lust auf Winterurlaub wecken.
Männer können ja soooooooo unglaublich wehleidig sein…
junge frau – auch in unkenntnis deiner person muss ich sagen: mein erfahrungsbericht knüpft weniger an meine eigene physischen leiden, sondern an den eindrücken meiner tochter!
An den Eindrücken der Tochter zweifel ich auch gar nicht. Aber an das blaue und auf mindestens die doppelte Größe angeschwollene Knie glaube ich nicht – ich werd jedenfalls nicht Krankenschwester spielen und bestimmt auch kein Mitleid haben…
Um die ganze Sache zu relativieren: Ich gebe zu meine Ausführungen waren in einzelnen Punkten im Sinne der Dramatik ein wenig aufgeblasen. Was nichts daran ändert das mein Verlangen nach einer Wiederholung der Ereignisse gleich Null ist.
Mensch, mein rot-schwarz-grün-blauer Fleck ist aber auch riesengroß!
Und wenn ich dir jetzt beichten würde, dass ich in meinem vorweihnachtlichen Wahn einen Schlitten besorgt habe?