Als ich heut früh um 4:07 im alltäglichen, morgendlichen Dämmerzustand die Tür zum M29 betrat bemerkte ich schon aus dem Augenwinkel heraus das etwas nicht stimmte.
Eine halbe Sekunde später wurde aus der vagen Vorahnung akustische Wirklichkeit. Mit einer Lautstärke die deutlich über dem erträglichen Pegel zu dieser Stunde lag schleuderte mir der Busfahrer (ein im Kapuzenpulli gekleideter Jungzwanziger mit Migrationshintergrund) ein “Guten Morgen” entgegen das sich gewaschen hatte. Da mit mir noch drei weitere Personen den Bus betraten und er seine Ritual bei jeder einzelnen wiederholte entzündete sich ein Feuerwerk der Fröhlichkeit im Vorderteil des Busses welches die Ratlosigkeit mit der Wucht von Kanonenschlägen in unsere Halbschlafgesichter trieb.
Nachdem ich mich gesetzt und meine Gedanken geordnet hatte begann das Misstrauen in mir zu wachsen. Irgendetwas war faul an der Geschichte. Drei Horrorszenarien kristallisierten sich in meinem Geiste.
- Der Busfahrer ist gar keiner und hat den Bus drei Haltestellen früher entführt. Ich werde das Topthema in den 20Uhr-Nachrichten!
- Der Busfahrer ist ein echter Busfahrer wird den Bus aber in zwei Haltestellen im Zuge eines unangekündigten BVG-Streiks abstellen und freut sich bereits uns diese Überraschung mitzuteilen.
- Der Busfahrer ist sauer weil nicht gestreikt werden darf und aus Frust auf seinen viel zu niedrigen Lohn setzt er den Bus gleich frontal in die Lobby des Axel-Springer-Hauses. Seine Freundlichkeit ist nur von mir fehlinterpretierter Wahnsinn. Auch in diesem Fall werde ich das Topthema in den 20Uhr-Nachrichten.
Als ich 23 Minuten später den Bus am KuDamm verlasse bleibt von all den Theorien nicht mehr viel übrig. Die Erkenntnis am Ende der Fahrt: Der Mann war einfach nur verdammt gut drauf!
Ein freundlicher BVG-Busfahrer? Ich hab dafür nur eine Erklärung: Kann es sein, dass die anderen 3 Personen, die mit dir eingestiegen sind, Männer waren? Wenn ja, würde ich sagen der Busfahrer war schwul und wollte durch seine übertriebene Freundlichkeit signalisieren: “Hey ich mag dich!” Sofern du ihm auch ein freundliches “guten Morgen” erwidert hast, würde ich sagen: Auf beiden Seiten schwappte die Sympathiewelle förmlich über. Steck ihm doch das nächste Mal deine Handy Nummer…zu
Soll das heißen das in deinem Weltbild nur die Homosexuellen in der Lage sind freundlich zu sein?
Erschreckend! Im übrigen; auch als Homosexueller wäre ich zu perplex gewesen um sein “Guten Morgen” zu erwidern.